Garnisonkirche: statische Last und geschichtlicher Ballast

 

Seit Wochen ruhen die Arbeiten zur Gründung der Kirchturmkopie an der Breiten Straße.
Der Versuch, für die Gründung 38 Bohrungen 38 Meter tief ins Erdreich zu treiben und mit Beton zu füllen, hat nicht funktioniert. Nun sollen andere Bohrverfahren zum Einsatz kommen.


Der Rückschlag für das umstrittene Bauvorhaben sollte genutzt werden, die Konzeption komplett zu überdenken. Zahlreiche Kritiker haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die geplante Bausumme von 39 Mio. € nichtausreichen wird. Allgemeine Baukostensteigerungen und Unwegbarkeiten wie die der Pfahlgründung werden die Kosten auf mindestens 50 Mio. € steigen lassen. Die Fertigstellung des Turmes war für 2020 geplant und erscheint immer unrealistischer.


Die Baupause sollte genutzt werden, um über ein Gebäude nachzudenken, was nicht nur weniger statischer Gründung bedarf, sondern auch inhaltlich weniger geschichtlichen Ballast mit sich bringt. Ein Gebäude für ein ernsthaftes Versöhnungs- und Friedenszentrum muss von der Funktion her gedacht und konzipiert werden und nicht von der historischen Hülle.


Die Stiftung Garnisonkirche täte gut daran, durch neue Ansätze dem Ort konzeptionell, geschichtlich wie baulich, gerecht zu werden. Die Errichtung der barocken Turmkopie, welche auch den Abriss des Rechenzentrums erzwingt, revidiert nicht nur die städtebauliche Geschichte der Stadt, sondern und die des 2. Weltkrieges (Tag von Potsdam bis Nacht von Potsdam). Am Standort sollte ein Museum zur militaristisch-preußischen Geschichte und zu den spezifischen Aspekten, Schuldfragen sowie Ereignissen in der Stadt Potsdam während der NS-Zeit entstehen.
Vorbild kann das Münchner NS-Dokumentationszentrum sein, welches nach Abriss der zerstörten NSDAP-Zentrale im Zentrum der Stadt errichtet wurde (https://www.ns-dokuzentrum-muenchen.de/home/).


Die Stadt Potsdam selbst warb u.a. zu den Olympischen Spielen mit dem Slogan „Potsdam – Die Geburtsstätte des Dritten Reiches“, während München sich als „Hauptstadt der Bewegung“ feierte. Die Stadt München wurde sich nach langer Diskussion ihrer Verantwortung bewusst. Die Stadt Potsdam könnte sich mit dem Einsatz für ein Museum zur Potsdamer NS-Geschichte ihrer Verantwortung stellen.

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