Bronislawa Czubakowska

Ein deutsch-polnisches Schülerprojekt 2003 - 2006

Im Rahmen dieses deutsch-polnischen Schülerprojektes entstanden eine Ausstellung und ein Katalog zur Ausstellung. Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler des von Saldern Gymnasium Brandenburg an der Havel, des Evangelischen Gymnasium der Hoffbauer Stiftung Potsdam, der Ellen- Key Oberschule Berlin und des Romugald Traugutt- Lyzeum Zgierz.

Vorwort zum Aussttellungskatalog von Almuth Püschel

Bronislawa Czubakowska starb mit 26 Jahren 1942 in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil. Bronislawa Czubakowska ist eine der vielen Polinnen und Polen, die Opfer der rassisch motivierten Gesetzgebung der Nationalsozialisten wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Bronislawa versucht, eine Straftat zu begehen, indem sie in der Brandenburger Ersten Feinjute-Spinnerei einen Brand legte, der unmittelbar nach seiner Entstehung gelöscht wurde und keinen nennenswerten Schaden verursachte. Über die Ursachen für diese Tat lässt sich nur mutmaßen. Eine sichere Gewissheit, dass Bronislawa wirklich die Täterin war, gibt es nicht.

Brandstiftung zählte und zählt nach der Definition des Strafgesetzbuches zu den gemeingefährlichen Verbrechen. Das Gesetz sah zur Ahndung von Brandstiftungen Zuchthausstrafen von mehr als zehn Jahren, Gefängnisstrafen und/oder Geldstrafen vor. Das Strafmaß war abhängig davon, ob der Brandstifter mit Vorsatz handelte (Zuchthaus) oder ob er den Brand durch Fahrlässigkeit legte (Gefängnis oder Geldstrafe) sowie von der Bedeutung und der Höhe des Schadens. Die Höchststrafe war lebenslange Haft. Mit der unmittelbar nach Kriegsbeginn am 5. September 1939 durch den Ministerrat für Reichsverteidigung erlassenen Verordnung gegen Volksschädlinge erfuhren die Paragraphen 306-309 des Reichsstrafgesetzbuches (RSTGB) eine drastische Verschärfung. Unter Paragraph 3 heißt es in der Verordnung: „Wer eine Brandstiftung oder ein sonstiges gemeingefährliches Verbrechen begeht und dadurch die Widerstandskraft des deutschen Volkes schädigt, wird mit dem Tode bestraft." Es erfolgte keine Definition dessen, was unter die Schädigung der Widerstandskraft fällt, so dass auch dieses Sondergesetz willkürlich auslegbar war.

Diese Willkür bekam Bronislawa mit voller Härte zu spüren. Fremdarbeiter aus westeuropäischen Ländern, wie den Niederlanden, wurden in Verfahren wegen Brandstiftungen, bei denen es zu nennenswerten Sachschäden kam, in Potsdam zu Geldstrafen verurteilt. Über Bronislawa wurde jedoch in Folge von Sondergesetzen, wie der Verordnung gegen Volksschädlinge und der Verordnung über die Strafrechtspflege gegen Polen und Juden in den eingegliederten Ostgebieten, die Todesstrafe verhängt. Die Verordnung gegen Gewaltverbrecher vom 5. Dezember 1939 setzte unter § 4 die versuchte Tat der vollendeten Tat gleich.

Für das Gericht war im Falle von Bronislawa Czubakowska nicht der verursachte Schaden, sondern die Herkunft der mutmaßlichen Täterin entscheidend.

Der demokratische Rechtsgrundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten" war außer Kraft gesetzt worden.

Schüler aus den Städten, die im Leben der Bronislawa Czubakowska eine schicksalhafte Rolle spielten, haben das kurze Leben der jungen Frau an diesen Orten rekonstruiert und am Schicksal von Bronislawa Czubakowska, stellvertretend für die vielen unbekannten Schicksale, die unmenschlichen Mechanismen von Krieg, Zwangsarbeit und einerJustiz, die mit rassistisch determinierten Sondergesetzen urteilte, beschrieben. Die Arbeiten der Schüler aus Brandenburg, Potsdam und Berlin basieren ausschließlich auf Forschungen der Schüler. Die Zgierzer Schüler erhielten neben der Unterstützung durch ihre Lehrer Unterstützung durch das Polnische Institut des Nationalen Gedenkens.

An dieser Stelle sei allen Mitarbeitern an diesem Projekt gedankt. So den Direktoren der beteiligten Schulen (von-Saldern-Gymnasium Brandenburg, Evangelisches Gymnasium der Hoffbauerstiftung in Potsdam, Ellen-Key-Oberschule Berlin, Lyzeum Romualda Traugutta Zgierz), den Lehrern Herrn Immelmann und Herrn Krull (Potsdam), Frau Petermann (Berlin) und Frau Bauer vom Brandenburger Heimatmuseum, die die Schüler und das Projekt begleiteten. Dank gebührt den Mitarbeitern der Archive, die die Arbeit unkompliziert unterstützten, Herrn Reimann vom Europäischen Begegnungszentrum Pfauenhof, wo die Workshops stattfanden, dem Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam, insbesondere Dr. Jörg Kwapis und Jan Wendt, und nicht zuletzt Herrn Leutner, der das Projekt initiierte.

Im April 2005, im 60. Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 63 Jahre nach Bronislawas Tod, hat der Brandenburger Generalstaatsanwalt Dr. Erardo Rautenberg das Todesurteil gegen Bronislawa Czubakowska als ein Unrechtsurteil des Nationalsozialismus aufgehoben.