Der Wehrmachtsdeserteure gedenken

Aufruf

"Ein Denkmal für die Wehrmachtsdeserteure in Halbe"

Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, setzen uns dafür ein, dass anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung vom deutschen Faschismus am 8. Mai 2005 in Halbe (Brandenburg) ein Denkmal für die Wehrmachtsdeserteure errichtet wird. Wehrmachtsdeserteure,  Wehrkraftzersetzer  und Kriegsdienstverweigerer wurden mit etwa 30.000 Todesurteilen und Tausenden Zuchthausstrafen verfolgt; 20.000 Todesurteile wurden vollstreckt. Überlebt haben das Grauen in den KZs, Straflagern und Strafbataillonen keine 4.000 von ihnen.

Im April 1945 bildeten Panzereinheiten der Roten Armee in der Gegend um Halbe einen Kessel um die Reste der geschlagenen 9. Armee des Generals Busse, der ein Kapitulationsangebot ablehnte. Mehrere zehntausend Soldaten und Zivilisten fielen im Zuge dieser letzten Kessel­schlacht des 2. Weltkrieges dem NS-Durchhaltewillen zum Opfer. Nicht zuletzt kam es auch in Halbe in den letzten Kriegstagen zu standrechtlichen Erschießungen von Deserteuren. Menschen, die sich diesem Krieg verweigerten, waren die Opfer. Viele von ihnen, viele wiederum namenlos, liegen auf Friedhöfen begraben, auch auf dem Waldfriedhof in Halbe.

Statt in Halbe all jener zu gedenken, die sich der nationalsozialistischen Mord- und Terror­maschinerie verweigert haben, wird Halbe nunmehr jedes Jahr aufs Neue zu einem Wallfahrts­ort nationalsozialistischen Heldengedenkens durch Aufmärsche von Alt- und Neonazis. Das unterschiedslose Gedenken von offizieller Seite am "Volkstrauertag" leistet einer Vermischung von Opfern und Tätern Vorschub.

Wir treten dafür ein, der Deserteure zu gedenken und ihnen, die sich dem Dienst in Hitlers verbrecherischen Krieg entzogen haben, zu danken.

Wir treten dafür ein, den Wehrmachtsdeserteuren ein Denkmal hier in Halbe zu setzen, auch als Zeichen gegen NS-Heldenverehrung und Beschwörung faschistischen und soldatischen Opfertodes.

Wir treten dafür ein, dass mit diesem Denkmal ausnahmslos alle Wehrmachtsdeserteure geehrt werden, dies gerade vor dem Hintergrund, dass denjenigen Deserteuren, die mit der Waffe gegen NS-Deutschland kämpften, bis heute die gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung für erlittenes Unrecht versagt blieb.

 

ErstunterzeichnerInnen:
Ludwig Baumann (Bremen, Wehrmachtsdeserteur), Dr. Hans Coppi (Berlin, Historiker), Daniela Dahn (Berlin, Schriftstellerin und Journalistin), Judith Demba (Berlin, Bildungswerk Berlin), Dietrich Eichholtz(Borkheide, Wirtschaftshistoriker), Heinrich Fink (Berlin, Bundesvorsitzender VVN-BdA), Dr. Detlev Garbe (Hamburg, Historiker), Peter Gingold (Bundessprecher VVN-BdA, Sprecher Verband Deutscher in der Résistance/DRAFD), Kurt Goldstein (Berlin, Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitzkomitees), Jürgen Grässlin (Freiburg, Bundessprecher der DFG-VK), Hellmut G. Haasis (Reutlingen, Schriftsteller), Franz von Hammerstein (Berlin, Kurator Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste), Ulla Jelpke (Berlin, Publizistin), Wolfgang Kaleck (Rechtsanwalt, Vorsitzender des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins), Prof. Dr. Jörg Kammler (Osnabrück, Hochschullehrer i.R.), Günter Knebel, Bremen (Geschäftsführer der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer/EAK), Helmut Kramer (Wolfenbüttel, Richter a.D.), Gerhard Leo (Berlin, Publizist und Mitglied der franz. Résistance), Ernst Melis (Vorsitzender Verband Deutscher in der Résistance/DRAFD), Prof. Dr. ManfredMesserschmidt (Freiburg, Leitender Historiker a.D. Militärgeschichtliches Forschungsamt), Gertrud Müller (Stuttgart, Vizepräsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees), Maren Poeschke (Potsdam, Stadtverordnete Die Andere), Dr. Martin Seckendorf (Berlin, Historiker), Eckhart Spoo (Berlin, Herausgeber der Zeitschrift Ossietzky), Prof. Dr. Peter Steinbach (Berlin/Karlsruhe, Gedenkstätte Deutscher Wider­stand), Rolf Surmann (Hamburg, Publizist), Prof. Dr. Wolfram Wette (Waldkirch, Historiker), Dr. Susanne Willems (Berlin, Historikerin), Dr. Winfried Wolf (Berlin, Publizist u. MdB a.D.), GerhardZwerenz (Schmitten/Taunus, Schriftsteller).

Zur Realisierung des Denkmals benötigen wir 50.000 €.
Ihre Spende ist herzlichst willkommen.

 

Bitte überweisen Sie auf folgendes Konto:

Antimilitaristischer Förderverein
Mittelbrandenburgische Sparkasse, Konto 350 300 25 28, BLZ 160 500 00, Stichwort Halbe.
(Zuwendungen sind im Sinne des § 10b des Einkommensteuergesetzes absetzbar)

Initiative für ein Denkmal für die Wehrmachtsdeserteure in Halbe, Lindenstr. 47, 14467 Potsdam 
Tel.: 0331 - 237 03 83, Fax: 0331 - 237 02 72, halbe@antimilitaristischer-foerderverein.de
Dieser Aufruf ist zur Veröffentlichung bestimmt.

 

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